| Siebenbürgen 2010 |
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Liebe Besucher dieser Seite,
im Frühjahr 2010 wanderte ich mit meiner lieben Frau wieder einmal zum Röthelberg. Da spricht mich dort doch ein Schild, auf dem „Schweiz 832km“ steht, an und sagt „Möchtest Du nicht auch einmal einen großen Bruder des Röthelberges besuchen?“. O ja sagte ich, muss dieser aber in der Schweiz liegen oder kann es auch das Fogarasch-Gebirge sein? Das geht in Ordnung antwortete das Schild, Du kannst mir ja später einmal davon berichten.
Warum die Fogarasch?
1.Ich mag Rumänien - Land und Leute.
2.Ich wollte immer schon einmal auf der Transfăgărăşana zum Bâlea-See hinauffahren.
3.Ich möchte Hermannstadt wiedersehen - sie war 2007 Europäische Kulturhauptstadt.
4.Ich kenne den Höhenkurort „Hohe Rinne“ nur aus der Literatur.
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Campen - früher Salzburg heute Michelsberg
Anfang der achtziger Jahre war ich mit meiner Familie zum ersten Mal in Rumänien; gezeltet wurde auf dem Campingplatz in Salzburg (Ocna Sibiului). Salzburg liegt etwa elf Kilometer nordwestlich von der Kreishauptstadt Hermannstadt (Sibiu) entfernt. Die Siedlung ist 1263 erstmals urkundlich erwähnt und die Geschichte von Salzburg war immer auf das Engste mit der Salzgewinnung verbunden.
1931 schloss die letzte Salzmine; das erste Bad mit Salzwasser eröffnete im Jahr 1845. Alle Achtung - der Ort mit seinen Badeseen hat sich seit unserem ersten Besuch gewaltig verändert.
2010 nutzten wir den Campingplatz in Michelsberg und unternahmen einen Ausflug nach Salzburg.
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Auf der Michelsburg waren wir schon vor knapp 30 Jahren einmal, damals gab es die Ferienanlage in Michelsberg noch nicht. Diese Anlage gehört Michael Benöhr, seine Ehefrau und Roberto stehen ihm zur Seite und ich empfehle einen Besuch der Internetseite www.ananas7b.de. Das malerische Panorama (die Burg im Abendlicht, die Fogaraschgipfel in Wolken gehüllt, in anderer Richtung das Cindrel-Gebirge mit dem Ausflugsziel Hohe Rinne) brennt sich für ewig in die Erinnerung ein. Mit jedem Tag, den ich Michael Benöhr kannte, wuchs meine Achtung vor ihm - ich lernte ihn als aufgeschlossenen, weltgewandten und menschlichen Zeitgenossen schätzen. Wenn man Glück hat, dann lernt man neben Michael Benöhr und seiner Familie auch Anselm Roth kennen. Anselm Roth ist nicht nur der Enkel des Politikers Hans Otto Roth, er leitet auch als Büchermacher und Verleger engagiert den Hermannstädter Schiller-Verlag. Übrigens: Als ich im Suchfenster bei www.siebenbuergen.de „Anselm Roth“ eingab, führte dies zu 50 Nennungen bei SbZ-Online und 76 Nennungen bei der Printausgabe der Siebenbürgischen Zeitung.
Michelsberg und seine Burg: Die Entwicklung der aus den Bauernburgen entstandenen „Kirchenburgen“ oder „Wehrkirchen“ geht auf die Zeit unmittelbar nach dem großen Mongoleneinfall von 1241/1242 zurück. Die Burg auf dem Michelsberg besteht aus einer Ringmauer mit Ruinen von Wehrtürmen. Im Hof befinden sich immer noch große runde Steine, die man bei Belagerungen den 70 Meter hohen Hügel auf die Feinde hinab rollen ließ. Diese Flusssteine wurden vorher von heiratswilligen jungen Männern hinauf befördert. Interessierten empfehle ich die Broschüre „Michelsberg und seine Burg“ von Anselm Roth, die im Sommer 2010 im Schiller Verlag Hermannstadt erschien (www.schiller.ro).
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Die Fogarascher
Das Fogarasch-Gebirge (Munţii Făgărăşului) dehnt sich ca. 70 km von Ost nach West aus und ist das höchste und gewaltigste des gesamten Karpatenbogens: Sechs Gipfel erheben sich über 2500 Meter.
Die Transfăgărăşana entwickelte sich zur Kultstraße der Camper, für die einen einfach so als Ausflugsziel, für andere auf dem Weg von Deutschland nach Bulgarien. In der Zeit vor der „Wende“ konnte ich mich mit meiner Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder, ungebremster Lastenanhänger mit Zeltausrüstung und Verpflegung für vier Wochen) zu dieser Tour nicht entschließen, weil ich mir nicht sicher war, was mein Skoda 105 S (46 PS) „dazu sagen würde“.
Die Transfogarascher Hochstraße (Transfăgărăşana) führt über 90 Kilometer Serpentinen von Norden über die höchsten Teile der Fogarascher nach Süden. Sie wird von vielen als "die beste Straße der Welt“ bezeichnet, erreicht eine Höhe von über 2050 Meter und bietet eine gute Möglichkeit, die Fogarascher zu erobern und netten Hindernissen zu begegnen.
Steinschläge blieben mir erspart, neben den Fotostopps musste ich allerdings eine weitere Fahrpause einlegen, weil scheinbar herrenlose Kühe die Straße ganz für sich beanspruchten.
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Oben angekommen, genießt man die Schönheit des Bâlea-Sees (Lacul Bâlea). Auf einer kleinen Halbinsel im See befindet sich die bewirtschaftete Bâlea-Hütte, sie ist ein beliebtes Ausflugsziel und Ausgangspunkt für Wanderungen auf die umliegenden Höhen. Ich habe den Ort genossen: Gutes Essen und Trinken und ein herrliches Panorama. Hier wurde im Winter 2006 das erste Eishotel Osteuropas errichtet. Das in Form eines riesigen Iglus erbaute Hotel bietet jedes Jahr etwa 16 Personen Platz. Die Transfăgărăşana ist bis zum 31. Oktober bis zum Bâlea-See befahrbar, in der übrigen Zeit ist der See nur von Norden her vom Bâlea-Wasserfall (Bâlea Cascadă) per Seilbahn zu erreichen. Der Teil der Transfăgărăşana, der vom See aus nordwärts hinunter führt, trägt die Bezeichnung „Straße in die Wolken“, weil sie häufig in den Wolken, die über dem Tal liegen, zu enden scheint. Ich erlebte diese Situation nicht, mein Ausflug fand bei bestem Sonnenschein statt. Dafür kam ich am Bâlea-See mit einem Schäfer ins Gespräch, der mir netterweise seinen Stock und seinen Hut lieh und bereitwillig meiner lieben Frau für ein Foto Modell stand.
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Hermannstadt - ein Muss der Reise
Auf Hermannstadt war ich schon gespannt: Zum einen lag mein letzter Besuch dieser Stadt schon einige Jahre zurück, und dann wollte ich mir die mit der jüngsten Vergangenheit einhergegangenen Veränderungen gern selbst ansehen. Nun war ich da und musste feststellen: Ein Tag genügt für das Kennenlernen dieser Stadt nicht. Die Fußgängerzone inmitten der Stadt kann sich wirklich sehen lassen und ist eine richtige Augenweide, ebenso das prächtige neu restaurierte Rathaus, die evangelische Stadtpfarrkirche, das Brukenthalpalais, die Lügenbrücke, die Pempflingerstiege usw.
Am letzten Sonntag im August erlebte ich das Mittelalter-Festival und konnte Ritterspiele und anderes mittelalterliches Treiben anschauen. Zu Hermannstadt gibt es verschiedene Printmedien und im Internet zahlreiche Informationen; den persönlichen Besuch kann dies aber nicht ersetzen, ich empfehle ihn jedenfalls aufrichtig.
An jedem meiner „Hermannstadt-Tage“ besuchte ich mit meiner lieben Frau das Büchercafé ERASMUS. Das Kaffee- und Bücherangebot ließ uns immer einige Zeit im ERASMUS verweilen; den Kaffee und frisch gepressten Saft haben wir am Ort genossen, ein paar Druckerzeugnisse aber mit nachhause genommen.
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Dem Büchercafé ERASMUS und der SCHILLER- Buchhandlung ist der im Herbst 2007 gegründete Schiller Verlag angegliedert. Das Büchercafé lernte ich bereits vor meinem persönlichen Besuch über das Internet kennen, bestellte dort Informationsliteratur und Landkarten und konnte so meinen diesjährigen Siebenbürgen-Urlaub gut vorbereiten. Natürlich habe ich mich auch ein wenig zur Geschichte von Hermannstadt belesen und weiß inzwischen, dass es ca. 1000 Jahre her ist, als Hermannstadt von deutschen Siedlern gegründet wurde. Die sogenannten Sachsen (Saxones) kamen vorwiegend aus der Moselregion und errichteten die Burgen und Wehrdörfer Siebenbürgens - eine davon war Hermannstadt, die sich schnell zum kulturellen Zentrum der Sachsen entwickelte. Die Deutschen waren von ungarischen Königen gerufen worden, damit sie das Land kultivieren und verteidigen. Dafür erhielten sie besondere Rechte und Privilegien. Am Ende des 17. Jahrhunderts war Hermannstadt eine uneinnehmbare Bastion, ein Teil der Wehranlagen steht heute noch.
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Hohe Rinne (Păltiniş)
In der DDR gab es nur wenige Informationsschriften zu Rumänien. Mit Glück konnte man im Buchhandel bei hartnäckigem Nachfragen „Komm mit ..“-Ausgaben vom Verlag Neuer Weg in Bukarest erstehen. Mir ist es gelungen, alle Ausgaben „Rumänien ´82“ bis „Rumänien ´89“ zu erwerben. Von der „Hohen Rinne“ las ich erstmals in der „82er Ausgabe“ auf Seite 176. Die Hohe Rinne ist einer der beliebtesten Wintersportorte Rumäniens. Im Sommer kann man auf gut gekennzeichneten Wanderwegen die Schönheit des Gebietes auf sich wirken lassen. Meine liebe Frau und ich folgten im Sommer 2010 vom Parkplatz der Talstation des Sesselliftes aus der Markierung „Rotes Kreuz“ und wandelten im Quellgebiet des Baches Daneasa. Diese Quelle nennen die Siebenbürgen Sachsen „Gretchenquelle“. Die Hohe Rinne liegt im Zibinsgebirge, auch Zibingebirge (rumänisch: Munţii Cibin oder Munţii Cindrel) im Süden Siebenbürgens. Die deutsche Bezeichnung bezieht sich auf den Fluss Zibin (Cibin), der in diesem Gebirge entspringt. Das Gebirge ist Teil der Südkarpaten. Die höchste Erhebung des Zibinsgebirges ist der 2245 Meter hohe Vârful Cindrel.
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Von Michelsberg bin ich zur Hohen Rinne mit dem Auto über Raşinari (dt. Städterdorf oder Reschinar) gefahren. Städterdorf ist eine repräsentative Ansiedlung für spezifische rumänische Tracht und Volksbräuche aus dem Randgebiet von Hermannstadt. Zwischen Hermannstadt und Städterdorf verkehrt täglich mehrmals eine Straßenbahn, die vor vielen Jahrzehnten in Lausanne gefahren ist. Diese Linie wird aufgrund der beruflichen Spezialisierung der Einwohner des Hermannstädter Randgebietes auch liebevoll „Käse-Express“ genannt.
Am Ufer des Flüsschens Steaza, dem die Straße zur Hohen Rinne folgt, und an schönen Aussichtspunkten weiter oben sah ich viele rumänische Familien lagern. Die Rumänen lieben es, am Wochenende in die Natur zu fahren, zu grillen und zu zelten. Sie suchen sich einfach einen Platz, der ihnen gefällt, entzünden ihr Feuerchen, und niemand fühlt sich dadurch gestört. Als Wanderer haben meine liebe Frau und ich beim Vorbeigehen den einzelnen Klein- und Großfamilien natürlich einen „Guten Tag“ („Buna ziua“) gewünscht. Dieser Gruß wurde stets erwidert, und rasch kamen wir mit freundlichen Leuten in ein manchmal längeres Gespräch und wurden auch gastfreundlich zum Verbleiben eingeladen - ich muss gestehen, dass der Geruch des frischen Grillgutes verführerisch in die Nase wehte. Wir wanderten in herrlicher Natur und genossen das Panorama, das Klosterkirchlein auf der Hohen Rinne haben wir dabei nicht vergessen und die Klosteranlage ehrfürchtig bewundert.
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Ich hoffe, meine Schilderung regte den geneigten Leser zur eigenen Siebenbürgen-Reise an.
Volker Lang
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